Jürgen Schön, Zeichnung, 2018
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Foto: Herbert Boswank
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Jürgen Schön. Zwei Formen im Raum

Für den Dresdner Bildhauer Jürgen Schön (*1956) haben Plastiken und Zeichnungen den gleichen künstlerischen Stellenwert. Seine Objekte aus und auf Papier entstehen in kreativer Wechselbeziehung: Im Zentrum von Schöns Beschäftigung steht die unermüdliche Auseinandersetzung mit Räumlichkeit – vom Gegenstand über den Innenraum und die Architektur bis hin zum Stadtraum und zur Landschaft.

  • Laufzeit 03.04.2019—20.05.2019

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Dem unmittelbaren Raumerlebnis entspringen konstruktivgeometrische Skizzen mit Bleistift, Farbstift, Fineliner oder Permanentmarker. In den vergangenen 20 Jahren sind auf Zug- und Autofahrten unzählige Skizzenbücher entstanden, aus denen dann im Atelier bildmäßige Tusche- und Acrylarbeiten hervorgehen können. Diese wiederum sind Impulsgeber für die minimalistischen Papierobjekte, von denen formalästhetische Rückkopplungen an die wiederholte zeichnerische Analyse bildhauerischer Grundformen zurückgeführt werden.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Foto: Herbert Boswank
Jürgen Schön, Zeichnung, 2018 Bleistift und Acryl auf Papier

In diesen gestalterischen Kreislauf

In diesen gestalterischen Kreislauf speist Jürgen Schön das Studiolo im Residenzschloss ein. Inspiriert von den L-förmigen Türrahmungen im Raum hat sich der Künstler an eine Gruppe von fünf im Sommer 2018 entstandenen 12-teiligen Zeichnungsserien erinnert, in denen er sich vielgestaltig mit jeweils zwei vergleichbaren Winkelformen auseinandergesetzt hatte. Drei Serien aus der Werkgruppe wurden ausgewählt und sind in unterschiedlicher Anordnung – als Block, als horizontales Band und als loses Gefüge – in ein auf die Proportionen der drei Wände abgestimmtes Raster eingepasst, so dass sie in ihrer Rhythmik auf die spezifischen Gegebenheiten des Ortes antworten: auf die Wände, den Fußboden, die Decke und die Türöffnungen.

In diesen gestalterischen Kreislauf

Der Bezug zum Raum resultiert dabei ganz aus Schöns künstlerischer Praxis, mit beharrlichem Interesse abstrakt-geometrische Grundformen aus Objekten und ihren räumlichen Relationen zueinander zu identifizieren. Im Ergebnis erlangt das Studiolo eine gesamtkünstlerische Qualität – Jürgen Schön hat sich den Raum über die Zeichnungen angeeignet und zu einer eigenen plastischen Arbeit geformt.

© VG Bild-Kunst, Bonn 2019; Foto: Herbert Boswank
Jürgen Schön, LL2018, 3 Serien, Blatt 1–36, 2018 Bleistift, Acryl auf Papier, Tusche, 439×607 mm, Reihenfolge variabel

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Die Intervention im Studiolo steht in Zusammenhang mit zwei Ausstellungen in den Staatlichen Kunstsammlungen: der Ausstellung „Tendenz Abstraktion. Kandinsky und die Moderne um 1910“ im Kupferstich-Kabinett sowie der Ausstellung „Zukunftsräume. Kandinsky, Mondrian, Lissitzky und die abstrakt-konstruktive Avantgarde in Dresden 1919 bis 1932 “ im Albertinum. 100 Jahre später zeigt Jürgen Schön, dass abstrakte Bildwelten nichts von ihrer Welthaltigkeit und künstlerischen Relevanz eingebüßt haben.

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