Mann im Portrait
© Courtesy de Rijke/de Rooij und Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York

Facing Tronies — de Rijke/de Rooij — Junks

Eine Präsentation des Kupferstich-Kabinetts im Rahmen von Rembrandts Strich

Die 1994 entstandene Videoarbeit Junks des Künstlerduos Willem de Rooij (*1969) und Jeroen de Rijke (1970–2006) besteht aus 6 filmischen Porträts. Mit einer High8-Kamera, einem Camcorder mit integrierter Tonaufzeichnung, porträtierten die damals in Amsterdam ansässigen Künstler sechs anonyme Personen, die für die angebotene Gegenleistung eines Bieres jeweils in die auf sie gerichtete Kameralinse blicken, eine Konzentration, die den Suchtkranken nur mit großer Mühe gelingt.

  • Laufzeit 14.06.2019—15.09.2019
  • Öffnungszeiten 10—18 Uhr, Dienstag geschlossen
  • Eintrittspreise regulär 6 €, ermäßigt 4,50 €, unter 17 frei, Gruppe ab 10 Personen 5,50 €

Sie wird vier Tronies

Sie wird vier Gemälden, sogenannten Tronies, gegenübergestellt, einer Bildgattung, die in den späten 1630er Jahren in Holland aufgekommen ist. Im Rahmen von Brustbildern wurden anonyme Köpfe darstellungswürdig, ohne dass diese einer bestimmten Person zugeordnet werden mussten. Während Porträts oft Rang und Macht repräsentieren und den Dargestellten in ihrer Schönheit oder ihrem Intellekt zu schmeicheln versuchen, lenken Tronies die Aufmerksamkeit  auf allgemeingültige Aspekte ihrer Erscheinung: auf einen emotionalen Ausdruck, auf Geschlecht und Alter oder eine Kostümierung. Somit können sie Projektionsfläche für Fragen über eigene Verstellung und Individualität sein.

Tronies

Junks

Die einzelnen Einstellungen in Junks von drei bis vier Minuten sind so aneinander montiert, als handele es sich um autonome Porträts. Sie zeigen unbewegt und „nüchtern“ die minimalen Bewegungen, aber vor allem die Zumutung und schließlich das Misslingen, die Kamera zu fokussieren. Der diffuse Hintergrund mit seiner schwachen Ausleuchtung rührt von einer urbanen Nacht im Rotlichtviertel Amsterdams unweit von Rembrandts Haus in der Jodenbreestraat. Das Halbdunkel erinnert formal an das Licht in der holländischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts. Vor allem aber ist es die vertraute Kulisse, der in ihrem Schutz stehenden, hier gefilmten Menschen. Auch die analoge Tonspur mit ihrem ungeordneten Sprechen im Hintergrund lässt die Realität der hier Dargestellten nicht vergessen.

Mann im Portrait
© Courtesy de Rijke/de Rooij und Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York
Jeroen de Rijke/Willem de Rooij, Junks, 1994 High-8 übertragen auf DVD, Direktton, 20 min.

Gegenüber

Gegenüber dem holländischen Tronie vollziehen die beiden Künstler de Rijke/de Rooij einen zeitgenössischen Medienwechsel. Nicht allein die Auswahl des Gegenstands ist von Bedeutung, sondern auch die Wahl des Mediums, das sich hier in seinem Verhältnis zum Sehsinn aufdrängt. So entsteht ein ästhetischer Kontrast zwischen dem unbewegten Bild des Videos und der Bewegtheit in den Gesichtszügen, vor allem in den Augen der Porträtierten. Es scheint unmöglich, dass sich die Blicke der Betrachter und die der Dargestellten treffen. So ist der Arbeit auch ein gesellschaftskritischer Ansatz inhärent, der die Zumutung für die Porträtierten in eine Zumutung des Anschauens umkehrt: Es gilt, denjenigen in die Augen zu schauen, die für gewöhnlich nicht in den Blick genommen werden. Auch Rembrandt und sein Umkreis setzten sich mit dem Sehen auseinander: Immer wieder machten sie das Erkennen in extremer Dunkelheit zum Bildthema. Auch auf diese Weise können Parallelen zwischen der Arbeit von de Rijke/de Rooij und der Ausstellung im Kupferstich-Kabinett gezogen werden.

weitere Ausstellungen

Weitere Ausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
14.06.2019 —15.09.2019

Rembrandts Strich

im Residenzschloss

Riesensaal

im Residenzschloss

Aufwendig verzierter Harnisch, große Federn am Helm angebracht

Münzkabinett

im Residenzschloss

Münzen, Medaillen und Orden
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